Ein Paar WLAN-Tipps

Dieses Thema im Forum "WLAN Technik" wurde erstellt von CapFloor, 21. November 2018.

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  1. CapFloor

    CapFloor Moderator

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    #1 CapFloor, 21. November 2018
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2018
    Hier ein paar Tipps zur Konfiguration von Access Points in einer WLAN-Controller Umgebung - oder auch ohne WLAN-Controller. Die namhaften Hersteller von WLAN-Geräten nähren die Hoffnung, dass beim Einsatz eines WLAN--Controllers oder Mesh-Systems alle WLAN-Probleme im eigenen Heim erledigt sind. Jetzt mußt du stark sein:cool:: Das ist nicht immer und überall der Fall!:(

    Oft wird angenommen, dass alleine die Nutzung eines zentralen WLAN-Managers, als Mesh oder WLAN-Controller bezeichnet, dazu führt, dass Clients automatisch den stärksten Access Point oder gar die "schnellste" Verbindung wählen. Es besteht zwar eine gewisse Chance, dass der Client sich mit dem signalstärksten AP verbindet, sicher ist das nicht. Insbesondere dann, wenn der Client schon eine "ordentliche" Verbindung zu einem AP aufgebaut hat, wird er die bestehende Verbindung nicht von sich aus unterbrechen und sich mit einem signalstärkeren AP verbinden. Dass der Client die verfügbare "Bandbreite" über einen Verbindungsweg bei der Auswahl des AP berücksichtigt, ist bei Consumer-Geräten ausgeschlossen. Die Realität ist: Einhörner gibt es nicht...;)

    Was wirklich in jeder WLAN-Umgebung hilft, ist die sinnvolle Parametrisierung der AP-Konfiguration im WLAN-Controller:
    1. Grundsätzlich 5GHz bevorzugen. Das 2,4GHz Netzwerk nur noch für Fallback-Zwecke nutzen, wenn der Client nichts anderes kann. Das bedeutet z.B. die Sendeleistung im 2,4GHz Bereich senken, um 5GHz "attraktiver" zu machen.

    2. Grundsätzlich feste Kanäle benutzen: Im 2,4Ghz ausschließlich die Kanäle 1, 6 und 11. Alles dazwischen erzeugt grooooße Probleme für alle Geräte in diesem Funkbereich. Lieber einen Kanal wählen, auf dem sich viele schwache Sender tummeln, als einen mit nur einem starken Sender in der Nähe.

    3. Auch im 5GHz Bereich ausschließlich feste Kanäle verwenden. Es gibt im 5GHz Frequenzbereich sehr viel mehr nutzbare Kanäle, die auch großzügig verwendet werden sollten.

      Für die Punkte 2 und 3 kann auch ein "Kanalplan" dienen.

    4. Die initiale Verbindungsgeschwindigkeit zwischen Client und AP erhöhen. Zum Start der Verbindung wird zum Austausch von Beacons immer 6Mb/s verwendet, danach die eingestellte minimale Geschwindigkeit bis die endgültige Aushandlung abgeschlossen ist. Die minimale Geschwindigkeit sollte mindestens auf 12Mb/s eingestellt werden, besser auf 18 / 24Mb/s (18 ist kein Standard). Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man viele Clients versorgen muss. Die Belegung des Shared Mediums WLAN wird dadurch stark reduziert.

    5. Wenige SSIDs (Multi-SSID mit VLAN) verwenden und die angebotenen WLAN-Standards auf ein Minimum reduzieren: Im 2Ghz Band auf g/n oder n und im 5GHz Band auf n/ac oder nur ac. Zusätzliche Features wie WPS abschalten - was man sowieso aus vielerlei Gründen tun sollte. Damit wird die Geschwindigkeit des Verbindungsaufbaus zwischen Client und AP insgesamt erhöht.
    Die APs, die sich gegenseitig "sehen", müssen auf unterschiedliche Kanäle konfiguriert werden. Wenn die APs an der Decke hängen, ist es nicht besonders hilfreich, die Überlappung der Sendebereiche in Kopfhöhe zu messen:cool:.

    Und völlig sinnfrei ist es, die Sendeleistung des APs zu erhöhen: Wenn der Client nahe am AP ist, dann versteht der Client den AP nicht deshalb besser, weil der ihm ins "Ohr brüllt" (ähnlich wie beim Menschen:D). Wenn der Client weit entfernt ist vom "im GigaWatt" Bereich sendenden AP, dann versucht er eine Antwort an den AP mit seinen "mickrigen" 100mW zu schicken, kommt aber nie durch, weil der AP viel zu weit weg ist. Er versucht das aber immer weiter, da der AP ja sehr nah bei ihm zu sein scheint. Deshalb kommt - Überraschung - eventuell gar keine Verbindung zu Stande...

    Auch wenn es gegen den Mainstream ist: Wenn man wirklich eine gut funktionierende WLAN-Installation aufbauen will, braucht man 1. Geräte, bei denen die Automatiken in vielen Bereichen ausgeschaltet oder positiv :cool: beeinflusst werden können, 2. das Wissen, was man wie einstellen kann / sollte und 3. den Willen, dafür Zeit zu investieren. Ansonsten sind praktisch alle Consumer "Automatik" WLAN-Lösungen ziemlich gleichwertig, ob sie Mesh oder WLAN-Controller heißen und von AVM oder TP-Link kommen. Sie können "automatisch" in deiner Umgebung gut funktionieren oder eben nicht. Viel Einflussmöglichkeiten hast du hier wie dort leider nicht.

    Die professionellen Systeme, z.B. von Lancom, bintec und Mikrotik, lassen eben genau manuelle Einflussnahme zu, selbst wenn eine Automatik das Gros der Einstellung für dich erledigt.
     
    Paua, mi-baer und frank.td haben sich bedankt.
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