Stau im Netz

Ausbau von Glasfaser nötig für drohenden Datenstau

Autobahn© nobelium / Fotolia.com

Wissenschaftler von Alcatel-Lucent forschen für schnelleren Datentransfer, um so für die Zukunft drohende Datenstaus zu vermeiden. Der Fokus zur Problembekämpfung liegt besonders auf der Glasfasertechnologie.

07.07.2008, 08:37 Uhr

Auf den sehr dünnen Glasfaserkabeln ruht die Hoffnung für ein weiter schnelleres Internet. In Alcatel-Lucent-Laboren versucht man durch diese Leitungen den Inhalt von über 240 Film-DVDs in weniger als einer Sekunde durchzuschleusen, berichtet die Zeitung "Financial Times Deutschland" in ihrer Online-Ausgabe. Um diese Leistungen möglich zu machen, müssen möglichst viele verschiedene Kanäle ins Glasfaserkabel gepresst werden. Die Zukunft könnte so aussehen, dass Internetnutzer weltweit den Inhalt von bis zu 1000 DVDs in einer Sekunde im Internet abrufen können.

Ziel: Surfen mit 100 Gigabit

Die meisten DSL-Kunden surfen heutzutage mit 16 Megabit pro Sekunde durchs Internet. Angestrebt wird für die Zukunft eine 100-Gigabit-Übertragungstechnik. Dafür hat sich Alcatel-Lucent mit Konkurrenten wie Nokia Siemens Networks und Ericsson zusammengetan. All dies geschieht vor dem Hintergrund des steigenden Datenverkehrs im Web. Einem Zusammenbruch soll vorgebeugt werden.

Datenverkehr verdoppelt sich jährlich

Im Jahr 2004 flossen weltweit 5000 Gigabit pro Sekunde durchs Netz. Die Prognose der EU für 2010 rechnet, in einer vorsichtigen Kalkulation, mit 25.000 Gigabit. Sicher ist jedoch, dass dank Videodiensten wie Youtube der Datenverkehr jährlich um mindestens 50 Prozent wächst. US-Marktforscher sehen auf dieser Datengrundlage die ersten Engpässe für 2010 voraus. Um diesem Problem entgegenzuwirken, gelte es nun in schnelle und hochwertige Technologien zu investieren.

Wer finanziert das?

In Japan oder Südkorea wird der Ausbau der Glasfasernetze staatlich subventioniert. Technisch gesehen ist das Verlegen von Glasfaser auch anderweitig keine Hürde, jedoch ist es in Deutschland nicht geklärt, wer für die nötigen Milliardenausgaben aufkommen soll. Selbst das neue Glasfasernetz der Telekom, über drei Milliarden Euro teuer, gelte nur als Übergangslösung. Denn für die letzten Meter bis in die Haushalte wird man auch in Zukunft noch auf Kupfer zurückgreifen. Lediglich Stadtnetzbetreiber wie M-net oder Netcologne investieren wirklich in den Ausbau von Glasfaser.

Interaktive Werbung als Geldquelle der Zukunft

Für die Finanzierung von "Fibre to the Home", wie das Aufrüsten der Netze mit Glasfaser bis in die Haushalte genannt wird, zu ermöglichen, müsse in Zukunft auch auf andere Umsätze zurückgegriffen werden. So sei es denkbar, dass Netzbetreiber einen Teil des Geldes einfordern könnten, wenn Onlinefernsehzuschauer digital über den Sieger bei Casting-Wettbewerben abstimmen. Auch so genannte "kreative Partnerschaften" werden für möglich gehalten - beispielsweise, dass die Telekom in Zukunft die letze Meile bei den Stadtnetzbetreibern anmietet statt umgekehrt.

Restaurationen unabdingbar

Obwohl der Begriff Internetkollaps für viele Experten zu pessimistisch klingt, fordern Wissenschaftler ausdrücklich eine Neugestaltung des Internets. Gearbeitet werden soll an Befehlen, die regeln, wann und wie welche Datenpakete durchs Netz geschleust werden. Ansonsten könne es wirklich zu erheblichen Problemen kommen. Bemüht man einen Vergleich zwischen dem Internet und Autobahnen, könne man sagen, dass schließlich auch niemand mehr über Autobahnen fahre, die für Verkehrsverhältnisse vor 40 Jahren gebaut worden seien und niemals erneuert wurden.

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